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Start Stellenbeschreibungen Stellenbeschreibungen 8a.Kooperative Führung und Stellenbeschreibungen

Kooperative Führung und Stellenbeschreibungen

Eine zeitgemäße kooperative Führung und Delegation von Verantwortung setzen eindeutig definierte Stellen voraus. Wer Ja sagt zum selbständig und unternehmerisch handelnden und entscheidenden Mitarbeiter, muss auch Ja sagen zu Stellenbeschreibungen. Denn diese sind die Voraussetzung dafür, dass jeder Mitarbeiter weiß, welche Ziele er erreichen muss, welche Aufgaben und Befugnisse er hat, und damit auch, wofür er die Verantwortung trägt. Qualität von Produkten und Dienstleistungen fängt immer mit der Qualität der Organisation und der Führung an. Wenn Ziele, Aufgaben und Befugnisse der einzelnen Stellen verbindlich definiert werden sollen, ist dies in der Praxis nur mit richtig gemachten Stellenbeschreibungen möglich. Unternehmerisches Verhalten der Mitarbeiter und effektive Zusammenarbeit über Abteilungsgrenzen hinweg sowie in Teams und Arbeitsgruppen sind nur möglich, wenn Leistungsbereitschaft und Motivation der Mitarbeiter nicht in Kompetenzreibereien und unklaren Verantwortungsräumen verschlissen werden. Deshalb gehören Stellenbeschreibungen zu den wirkungsvollsten Instrumenten der Führung und Organisation in wettbewerbsorientierten Unternehmen. Ihre volle Wirkung entfalten Stellenbeschreibungen jedoch erst zusammen mit einer Allgemeinen Führungsrichtlinie und bei einem einheitlichen Führungsstil im ganzen Unternehmen. Bei kooperativer Führung hat die Stellenbeschreibung vielfältige Funktionen. Unter anderem

 

  • konkretisiert sie den Grundsatz, dass jeder Mitarbeiter verpflichtet ist, im Rahmen seines Delegationsbereiches selbständig zu handeln und zu entscheiden,
  • legt sie die Ziele der Stelle im einzelnen fest,
  • benennt sie die wichtigsten Aufgaben im einzelnen,
  • schreibt sie die Befugnisse des Stelleninhabers fest,
  • regelt sie das Unter- und Überstellungsverhältnis des Stelleninhabers,
  • regelt sie die Stellvertretungsfrage (aktive und passive Stellvertretung).

Damit definiert sie implizit auch die Verantwortung des Stelleninhabers. Von allen Organisationsmitteln weist sie den höchsten Detaillierungsgrad hinsichtlich Zielen, Aufgaben und Befugnissen auf. Gleichzeitig enthält die Stellenbeschreibung auch einen Hinweis auf Einzelaufträge, die der Stelleninhaber von seinem Vorgesetzten erhalten kann. Solche Einzelaufträge können seine "Stamm-Aufgaben" dem Tagesbedarf anpassen, dass heißt, dem Stelleninhaber können zeitlich befristet zusätzliche oder andere Aufgaben zugewiesen werden. Interessanterweise äußert sich bereits die Regel des Benediktinerordens dazu: "Wer Hilfe braucht, soll sie erhalten; wer jedoch frei ist, übernehme gehorsam jeden Auftrag." Die Stellenbeschreibung präzisiert und ergänzt den Arbeitsvertrag, liefert die Bezugsgröße für eine objektive Leistungsbeurteilung, bildet eine unverzichtbare Grundlage für ein systematisches Qualitätsmanagement, ist eine eindeutige und pflegeleichte Handlungsvollmacht – übrigens unvergleichlich präziser als die Handlungsvollmacht nach § 54 HGB –, ist Grundlage für die Erstellung eines Anforderungsprofils etc. Klarheit ist zwar nicht alles, ohne Klarheit in den hier zur Debatte stehenden Punkten herrscht aber die kräfte- und motivationszehrende Improvisation. Kann sich ein Unternehmen solche Zustände auf Dauer leisten, ohne seine Wettbewerbsfähigkeit dabei einzubüßen?